Entstehungsgeschichte von QIGONG
(www.tow.at - Studiengruppe für Dokumentation und Forschung in der Ganzheitsmedizin)

Die Wurzeln des Qi Gong reichen bis in die Vorzeit Chinas zurück und seine Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der chinesisch-philosophischen Tradition. Die ersten sicheren Berichte liegen aus der Zeit der streitenden Reiche vor (770 - 221 v. Chr.), in der diese Technik schon ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Die Ausbreitung des Buddhismus in China führte auch zur Ausbreitung von Qi-Gong, in der Folge differenzierten sich unterschiedliche religiös- philosophisch geprägte Schulen, darunter deren bekannteste, jene des Taoismus.

Nach ihrer Herkunft kann man etwa folgende Einteilung treffen:

1. spirituelle und religiöse Übungen im Taoismus und Buddhismus;
2. Übungen zur Lebensführung im Konfuzianismus;
3. Stärkende Übungen im Bereich der Kampfkünste (Wushu);
4. Heilende Übungen in der Medizin (medizinisches Qi Gong).

All diesen Schulen gemeinsam ist die Vorstellung von "Qi", jenes in der Übersetzung schwer wiederzugebende Konzept von Kraft, Energie, Lebenshauch, Atem usw.

In den verschiedenen Schulen haben sich unterschiedliche Auffassungen über den Stellenwert des Qi Gong in der Medizin entwickelt. Es gibt Schulen, die Qi Gong als Heilmethode einsetzten, indem ein Qi-Gong-Meister sein Qi zur Heilung auf den Kranken überträgt. Diese Techniken sind in Europa unter dem Begriff der Qi-Gong-Massage bekannt geworden. Andere Schulen lehnen solche Methoden als nur kurzfristig wirksam ab und lehren den Patienten, seinen Qi-Fluß im Körper selbst zu beeinflussen und durch entsprechende Übungen auch die Energie des Universums in sich aufnehmen zu können.

Bei diesen Schulen wird vor allem auf die prophylaktische Übung zur Verhütung von Krankheiten und zur Erlangung eines hohen Alters großer Wert gelegt. Der Anteil der meditativen Techniken ist bei den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich.

In China wurden diese Techniken oft in Form von Geheimlehren weitergegegeben, oft nur in mündlicher Form an die Nachkommen oder an enge Schüler. In der VR China wurde Qi Gong nach der Machtübernahme der Kommunisten verboten und vorerst von den Hochschulen verbannt. Erst in den letzten 15 Jahren erfuhr diese Technik eine Rehabilitation an den Hochschulen für Traditionelle Chinesische Medizin. In Shanghai, Beijing und Nanjing wurden große Departements zur Behandlung, Forschung und Lehre für Qi Gong eingerichtet.

In den letzten Jahren wurden in China wie in Europa Versuche durchgeführt, die zeigten, daß sich bei Übenden EEG-Veränderungen nachweisen lassen.

Die Einsatzgebiete für Qi-Gong-Behandlung sind in China vielfältig, vor allem jedoch bei Erkrankungen des Atemsystems im Sinne unseres Asthmas, bei Störungen der Verdauung im Sinne Morbus Crohn und bei neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen.

In Europa wird Qi Gong vor allem als Prophylaxe und Hilfsmittel bei nervösen Störungen, bei Schlafstörungen, zur Stressbewältigung und zur Förderung der Konzentrationsfähigkeit usw. empfohlen.